Von der Proberaum-Baracke zur größten Musiker Community Stuttgarts

      So wird man zum Proberaumvermieter

Mit seiner eigenen Band den PleasurePigs probte Klaus Forster in den Proberaum-Baracken in Ludwigsburg. Einbruchspuren, Pissegeruch, Schmierereien an den Wänden, Stromversorgung über antiquierte Schmelzsicherungen zeichneten ein, naja vorsichtig ausgedrückt armseliges Bild. Der standing Joke wenn einer der Musiker aufs Örtchen musste war:

„Trippi springt auf dem Klo 1,5 m hoch, weil er den Bodenkontakt meidet!“

Die Schall- und Wärmedämmung der Pappmaschewände war eine Fehlanzeige. Abhilfe (zumindest für die Akustik) sollte für 800 € Noppenschaum schaffen. Danach war der Proberaum innen fast Schalltot. „Aber immer noch hörte sich der Saxophonist aus dem Nebenraum so an, als ob er mit seiner Gießkanne direkt neben einem steht und mir ins Ohr pustet.“ berichtet Forster. „Denn, so mussten wir teuer lernen, nur eine schwere Wand hält den Schall zurück.“ Hier findest Du ein paar Tipps, wenn Du das Problem auch hast.

Für ihren Proberaum musste die Band PleasurePigs 2005 schon 180 € für 16 qm berappen und am Jahresende gab es dann noch eine Nebenkostenabrechnung, die sich gewaschen hatte.

Forster sieht es mittlerweile so: „Um es positiv auszudrücken: es war eine lehrreiche Zeit. Ich dachte mir, das muss doch irgendwie besser gehen. Ursprünglich wollte ich im Jahr 2009 in Zuffenhausen ein Gebäude mit 27 Räumen kaufen um darin Proberäume für Bands anzubieten. Die Lage und Gebäudebeschaffenheit waren gut, aber über den Preis konnten die Verkäuferin und ich keinen Konsens finden. Recht enttäusch musste ich die Verhandlungen beenden. Wochenlang habe ich Industrie- und Gewerbegebiete abgegrast und zahllosen Vermietern erklärt was ich suche und bekam teilweise zu hören. „Waaaas, für Musiker? Tut, tut, tut …“ So mancher hat einfach aufgelegt!

Ein Hausverwalter war aber ein Kleinkunstfreund, der hatte ein Herz für Musiker und hat dem Gebäudebesitzer die Idee schmackhaft gemacht. Dazu hat er allerdings über 2 Monate gebraucht. „Als er zurück rief um mich zur Besichtigung einzuladen, hatte ich schon fast vergessen, dass ich dort angefragt hatte. Außerdem schien mir das Gebäude viel zu groß.“

Erster Eindruck bei der Besichtigung: für Proberäume schon fast ein bisschen zu schade. Ein Akustiktest zeigte die außerordentlich solide Bauweise der Decken: über 60 dB Dämpfung vom Keller ins Erdgeschoss. Das Testsignal (rosa Rauschen mit 100 Dezibel, die 400 Watt Endstufe war bereits übersteuert) hörte sich die Etage drüber an wie ein PC-Lüfter: Test bestanden! Auch über die Konditionen wurden wir uns schnell einig. Dann kam das Bauamt, die vielleicht am sorgfältigsten arbeitende Behörde Stuttgarts. Eine harte Nuss, aber auch die wurde mit Hilfe von einem Architekt geknackt!

Im Januar 2010 ging es los mit 8 Proberäumen, im zweiten Monat waren es schon 12, und so wuchs es weiter. Mittlerweile ist das Gebäude fast zur Hälfte mit Proberäumen belegt. Rund 100 Räume auf fast 4.000 qm sind mit weit über 100 Bands belegt. Dadurch ist das Proberaumzentrum zur größten Musiker Community Stuttgarts geworden. Es wurde schon von tausenden von Musikern genutzt. Nicht nur aus Stuttgart sondern auch mehreren Bands aus USA und der australischen Band Cøpia, die mittlerweile schon zum dritten Mal ihr Europatur-Basiscamp bei Rooms4Music aufgeschlagen hat.

Die Synergien, und Kooperationen die sich mittlerweile zwischen den Bands ergeben sind sehr erfreulich. Es haben sich Betreiber des Clubs Rough Rockz und der Ready2Jam Proberäume eingefunden, die Gitarrenschule JS-Rockgitarre und die Cambazz Videoproduktion sind eingezogen. Die Bands veranstalten gemeinsame Konzerte im Live Music Club, helfen sich gegenseitig mit Equipment, Musikern und Know How aus und vernetzen sich bei den regelmäßig stattfindenden Musiker-Tagen. Daran können natürlich auch Musiker teilnehmen, die keinen Proberaum bei Rooms4Music haben.

Hier kannst Du Kontakt zu anderen Musikern aufnehmen:

fondo de musica.Guitarrista y publico